Warum das Ganze?

Als ich mit 23 Jahren die schmerzliche Erfahrung der Trauer machen musste (und immer noch muss), gab es wirklich viele Momente der Einsamkeit. Nicht des Alleinseins, gar nicht. Mit 23 hat man in der Regel relativ wenig Berührungspunkte mit dem Tod, wo ohnehin nicht viel über ihn gesprochen wird. Vieles im Leben ist dabei noch als völlige Selbstverständlichkeit abgespeichert, als endliche Konstante im Leben. Die Eltern, die später die weltbesten Großeltern werden würden zum Beispiel. Das Bild einer konstanten, "vollständigen" Familie. Der Tod in weiter Zukunft. Verliert dieses Bild an Farbe oder wird vielleicht sogar völlig zerstört, zerreißt er - der Faden, der Endlichkeit, auf dem wir blindlings balancieren. Und dann steht man da, mit plötzlich völlig anderen Prioritäten im Leben, Erfahrungswerten. Sorgen. Aber auch innerer Stärke. Reife. Und oftmals fühlt man sich damit recht einsam. Mit Mitte 20. Wo alle doch so sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Probleme, die man vor einem Jahr auch noch als solche bewertet hatte, sind nun keine mehr. Vor allem anfangs nimmt einem die Wut jegliches Verständnis für Konflikte anderer. Und dann ist es da - das Gefühl des Alleinseins, des Andersseins. So viel Hingabe und gutgemeinte Worte einem auch entgegen gebracht werden - nachfühlen kann es niemand. Vor allem nicht mit Mitte 20, wo der Tod bisher nicht allzu viel zu erzählen hatte. Was natürlich gut so ist. Schön ist. Ich habe das große Privileg in einer Familie groß geworden zu sein, die einen unfassbar starken, stützenden Freundeskreis hegt. Dafür bin ich für immer dankbar.


Dass man mit diesem Schicksal gar nicht so allein da steht, wie man zuerst zu glauben vermag, durfte ich die letzten Monate erfahren. Für mich persönlich war das wahnsinnig tröstlich. Irgendwie befreiend. Und ist es immer noch. Dieser Blog, diese Seite, Plattform - wie auch immer man es nennen mag - soll Erfahrungswerte, Gedankengänge und Unterstützung in jeglicher Form bergen. Soll ein Stück Einsamkeit nehmen und Anderssein in "ein Teil sein" wandeln. Was auch immer es soll oder eventuell kann: man ist nie wirklich allein. Oder wie Jorge Bucay sein "Buch der Trauer" einleitet:


"Mit Sicherheit gibt es einen Weg,

der vielleicht

auf vielerlei Weise

individuell und einzigartig ist.

Vielleicht gibt es einen Weg,

der mit Sicherheit

auf vielerlei Weise

für alle derselbe ist.

Mit Sicherheit gibt es

einen irgendwie möglichen Weg."


In größter Liebe, Vorfreude und Aufregung,

Ellen