„Flieg kleines Vöglein“

In fast genau einer Stunde ist es ein ganzes Jahr her. Vor einem Jahr konntest du endlich frei fliegen. „Flieg kleines Vöglein“ hatte Dad gesagt. Wir standen links und rechts auf deiner Seite. Alles was uns wach und stark hielt war grenzenlose Liebe. Nur Liebe. Ich wusste nicht wie viel Stärke ein Mensch aufbringen kann bis zu dieser Nacht. Diesem Morgen. Der Morgen, an dem der Nebel so dicht war, dass man die eigene Hand vor Augen kaum sehen konnte. Es war kalt. Dein Lieblings Wetter. Bretagne-Wetter. Dad und ich fuhren ein letztes Mal die Strecke, die wir eine Woche lang jeden Tag gefahren sind. Dieses Mal irgendwie erleichtert. „Ich bin nur noch stolz, dass wir das geschafft haben.“. Das wärst du auch. Bist es. Auf alle drei.


Einige Wochen später hatte ich das erste mal wieder etwas geschrieben. Ein Dankbarkeits-Gedicht, Liebesgedicht. Wie auch immer man das nennen mag. Ich würde es heute gerne wieder teilen.


„Momsi

weiß gar nicht was schreiben, was sagen, was denken.

Weil da so viel war und immer noch ist.

Das Herz gleich schwer und leicht,

weil süße Erinnerungen schweben und beben und vielleicht,

Vielleicht weil ich weiß, dass du über mich wachst.

Du lachst

über Sorgen von morgen und das Leben an sich

An niemand hab ich bei chaotischen Zukunftsvisionen

mehr gedacht als an dich.

An dich und deine unhaltbare Energie,

deine Stärke, deine Wärme und kunterbunte Fantasie.

Deinen Sarkasmus in wirklich jeder Lebenslage,

und Mama glaub mir wenn ich sage,

niemand hat mich so glücklich gemacht wie du.

Nehm dich mit durch viele süße Erinnerungsflüge,

salzwassersommer und Bullerbü Jahre,

bin die stolzeste Besitzerin deiner Liebe,

die ich immer mit mir trage.

Danke fürs stark machen, lieben und lehren,

werd das Leben richtig feiern.

Zu deinen Ehren.“

🦋


Ich vermisse dich Mom. Jeden Tag.