das mit dem Jahr 2020 und der Selbstfreundlichkeit

Vor wenigen Jahren hatte ich das Ende des Jahres immer ganz rituell abgeschlossen. Das Jahr wurde innerhalb einiger Zeilen zusammengebündelt, mit buntfröhlichen Erlebnissen drapiert und einem abschließenden Fazit raus in die Social Media-Welt geschickt. Meistens schloss ich diese jährliche Zeremonie mit einem Lächeln ab. Das Leben hatte es immer ziemlich gut mit mir gemeint. Zumindest würde ich das aus heutiger Sicht sagen.

2019 und auch das jetzige Jahr blieb bisher umkommentiert. Kein abschließender Text. Kein rückblickendes Schmunzeln über das persönliche Glück, das einen durchs Leben schwingt.

Alles was sich zusammenfassen lies war ein Sammelsurium an Rückschlägen und Gemeinheiten. Den + 4 UNO Karten des Lebens. 2020 reihte sich ungeniert in die holprige Bahn seines Vorgängers ein - ganz ohne Umwege. Und weil ich nicht in Selbstmitleid baden möchte (nicht jetzt), lass ich die Aufzählung unglücklicher Ereignisse diesen Jahres einfach aus. It is what it is.

Denn: auch wenn man dieses Jahr getrost aus seiner timeline streichen möchte - und damit bin ich sicherlich nicht allein - bat die letzte Zeit dennoch eins: Einkehr. Wachstum. Beides schmerzhaft. Gewiss. Bestimmt hatte man die vergangenen Monate den ein oder anderen Artikel über Achtsamkeit, slow living, Meditation oder Yoga in Corona Zeiten gelesen. Und ja, auch ich konnte es irgendwann weder lesen noch hören. Doch je lauter es um einen wird, desto wichtiger ist es vielleicht (oder ganz bestimmt) mal einzukehren. Zuzuhören. Es ist schon verrückt welche Stücke sich in einem abspielen, denen man bisher kein Gehör geschenkt hat. Und so begab ich mich - oft ungewollt, zögernd - in die Tiefen des Sturms und fand mich mal leise bittend, mal laut schreiend in einem wankenden Konstrukt.

Glaubenssätze, Erinnerungen und Vorwürfe verschwammen zusammen und brachten nicht selten das doch so standhaft scheinende "Ich schaff das" zum kentern. Plötzlich nahmen Geschichten andere Farben an und das was man aus vermeintlicher Stärke getan hat sind nun die fehlenden Schwimmringe namens Selbstliebe. Selbstfreundlichkeit. Das was oft im Sturm auf der Strecke blieb.

Nicht selten war da dann erst der große Vorwurf an mich selbst "Wieso hast du.." und "Wieso hast du nicht..". Zu nett, zu nachgiebig, zu selbstlos. Heute weiß ich, dass es nichts bringt sich zusätzlich zu bestrafen. Dass man sich selbst die Hand geben muss. Bei allem Vorwürfen den anderen gegenüber. Den Umständen, dem Jahr. Dem Lebens an sich. Einem sollten man als allererstes verzeihen: sich selbst.

Und wenn das Lächeln am Ende des Jahresrückblicks vielleicht nicht dem Jahr an sich gilt, dann schenk es dir. Dir ganz allein.