über 2021, meine Abwesenheit, Fahrtwind und die neu gewonnene Leichtigkeit

Zwei Beiträge habe ich im vergangenen Jahr auf Myarmyofbirds veröffentlicht.

Auch sonst habe ich nicht geschrieben. Und um ehrlich zu sein, hatte ich es auch nicht vermisst.

Ab und an plagte einen das schlechte Gewissen und "du solltest mal wieder" oder "du und deine fehlende Ausdauer". Schon wieder etwas angefangen und nicht am Laufen gehalten.

Schon wieder mit Vollgas gestartet und dann auf der Strecke liegen geblieben.

Aber was 2019 und 2020 ganz essentiell und irgendwo notwendig war, ist die letzten Monate etwas gewesen, auf das man voller Demut zurück blickt und mal wieder erkennt, mit wie viel Fahrtwind einen das Leben manchmal durchs Jahr fegt.

Wie groß der Wandel plötzlich scheint, mit dem gewissen Abstand.

2021 war, und das meine ich ganz ehrlich, ein wirklich glückliches Jahr. Trotz allem.

Und wie es so oft ist (zumindest bei mir), tanzt man in glücklichen Tagen mit weniger Fragen, weniger Tiefgang durchs Leben.

Ist da etwas mehr Geschwindigkeit. Rückenwind.


Wenn ich das vergangene Jahr mit drei Worten beschreiben müsste, wären das wohl folgende:

Fahrtwind, Leichtigkeit und Heilung. Und das sind, wie ich finde, drei ganz bezaubernde Worte.

Während vor drei Jahren meine Aufgabe daran bestand zu schwimmen, nicht unterzugehen – mit aller Kraft – kehrte ich vorletztes Jahr in mich. Immer wieder. In die Tiefen des Sturms.

Nun, 2021 war eine Mischung aus treibendem Rückenwind, einer leichten Brise, die nicht selten die unbeschwerte Ellen von "damals" herauskitzelte und das Gefühl, dass nun alles so langsam Fahrt aufnimmt. Endlich. Und das ausgerechnet inmitten einer Pandemie. Lucky me.

Ich hatte das während des ganzen Trubels und der immer-präsenten Frage "Wohin? Studium? Job?" gar nicht gesehen. Rückblickend waren wohl eine dieser stimulierenden Momente eine wilde nächtliche Fahrt durch die griechische Berglandschaft, ein letztes Abendessen auf Skopelos unter duftenden Granatapfelbäumen, beflügelt von der Leichtigkeit des momentan Seins (und vermutlich des Weins), ja und eine aus sich heraus lösende, schreiende, fröhlich tobende Ellen inmitten eines kleinen Clubs in Erlangen.

Und wer weiß wie wunderbar das Gefühl ist nach langem, anstrengenden Anstieg am Gipfel angekommen zu sein, kann sich vorstellen wie es war. Das Gefühl der neu erlangten Freiheit.

Nach zwei Jahren Kampf. Versteht mich nicht falsch – es ist nicht schlagartig alles allererste Sahne. Das wird es nie. Aber diese kleinen, kostbaren Momente und die Erkenntnis, dass alles was man geschafft hat, alles was zurückliegt, aus eigener Kraft geschah, lässt auch ein 2021 in goldenem Licht erstrahlen. Oder um es in Caspers Worten zu sagen letztes Jahr war "ganz schön okay."


Solange es geht, wärme ich mich am Leuchten eines leichteren Seins.

Und wenn es wieder schwieriger wird, weiß ich, wie viel wunderbarer sich leichte Tage anfühlen nach langer Schwere.

Wie der Sommer nach einem langen Winter eben. Oder der Blick in die Weite nach einem mühseligen Anstieg. Manchmal braucht es nur die nötige Portion Fahrtwind. Und Leichtigkeit. Sie kommt. Immer wieder. Versprochen.